Generative KI kann Literaturangaben erzeugen, die wissenschaftlich aussehen, obwohl Titel, Autor, DOI oder Quelle nicht zusammenpassen oder die Referenz gar nicht existiert.
Eine zuverlässige Prüfung erfolgt deshalb in mehreren Ebenen: Existiert die Quelle? Stimmen die bibliografischen Angaben? Belegt die Originalquelle die Aussage? Wurde sie später korrigiert oder zurückgezogen?
1. Die Quellenangabe unverändert in einzelne Felder zerlegen
Übernehmen Sie die KI-Referenz zunächst genau so, wie sie ausgegeben wurde. Prüfen Sie getrennt:
- Titel
- Autor oder Organisation
- Zeitschrift, Verlag oder Website
- Publikationsjahr
- DOI oder andere dauerhafte Kennung
- URL
- Seite, Abschnitt oder zitierte Passage
Korrigieren Sie eine verdächtige Angabe nicht schon vor der Prüfung. Sonst kann verborgen bleiben, dass die KI Elemente mehrerer echter Quellen vermischt hat.
2. DOI oder andere dauerhafte Kennung auflösen
Wenn eine DOI angegeben ist, prüfen Sie sie über doi.org. Vergleichen Sie anschließend das aufgelöste Dokument mit der KI-Angabe.
Eine funktionierende DOI bestätigt nur, dass eine Kennung auf ein Objekt verweist. Sie beweist nicht, dass die KI-Aussage daraus folgt oder dass das Werk später nicht korrigiert oder zurückgezogen wurde.
3. Bibliografische Metadaten vergleichen
Nutzen Sie eine vertrauenswürdige Metadatenquelle wie Crossref und vergleichen Sie Titel, Autoren, Zeitschrift oder Verlag, Veröffentlichungsdatum und DOI.
Eine echte DOI mit falschem Titel oder falschen Autoren ist keine bestandene Quellenprüfung. Bei mehreren Abweichungen sollte der Status als Metadaten-Konflikt festgehalten werden.
4. Originalquelle öffnen und die konkrete Aussage prüfen
Die Existenz einer Quelle und die Belegung einer Behauptung sind zwei verschiedene Fragen. Öffnen Sie möglichst die Originalseite des Verlags, einer Behörde, eines Normungs- oder Forschungsinstituts und suchen Sie die Passage, auf die sich die KI angeblich stützt.
Prüfen Sie insbesondere Geltungsbereich, Datum, Land oder Rechtsraum, untersuchte Population und die Stärke der Aussage.
5. Korrekturen, Retractions und Versionsstatus prüfen
Ein echtes Dokument kann nach der Veröffentlichung geändert worden sein. Prüfen Sie die aktuelle Verlagsseite sowie Crossmark und Crossref/Retraction-Watch-Daten auf:
- Correction oder Erratum
- Expression of Concern
- Retraction
- ersetzte oder aktualisierte Version
Dass in einer einzelnen Datenbank kein Hinweis erscheint, ist kein absoluter Beweis dafür, dass es keine Änderung gab.
6. Prüfergebnis differenziert dokumentieren
- VERIFIED — Quelle existiert, Metadaten stimmen, aktueller Status ist unauffällig und die Originalquelle belegt die Aussage.
- EXISTS / DOES NOT SUPPORT CLAIM — Quelle existiert, stützt aber die KI-Aussage nicht.
- METADATA MISMATCH — Kennung oder Werk existiert, wesentliche bibliografische Angaben stimmen jedoch nicht.
- UPDATED / RETRACTED — eine spätere Korrektur, Retraction oder neue Version verändert die Verwendbarkeit.
- UNRESOLVED — die verfügbaren Informationen reichen für eine belastbare Entscheidung nicht aus.
Notieren Sie auch das Prüfdatum. Der Status wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Webseiten kann sich später ändern.
Wichtige Prüfsources
- NIST — Generative AI Profile
- DOI Foundation — DOI Resolver
- Crossref — Metadata Retrieval
- Crossref — Retraction Watch
Prüfstand: 2026-09-27